Entente Florale - Unsere Stadt blüht auf

Jury der Entente Florale in Ortenberg

Erstmals beteiligte sich die Stadt Ortenberg in diesem Jahr am Bundeswettbewerb „Entente Florale“. „Entente Florale“ heißt „Blumen-Bündnis“ und ist der Name eines europaweiten Wettbewerbs, an dem sich Städte und Gemeinden beteiligen können. Ziel ist es, die Lebensqualität vor Ort durch mehr Zierpflanzen und Blumen im Ortsbild sowie durch eine engagiertere Ortsbildpflege allgemein zu verbessern.

Jetzt war es soweit: Die Jury der „Entente Florale“ unter Vorsitz von Dr. Rüdiger Kirsten vom Zentralverband Gartenbau weilte in Ortenberg. Weil die Juroren, neben Dr. Kirsten waren dies Antje Solmsdorf (Deutscher Städtetag), Micha Jost (Deutscher Städte- und Gemeindebund), Winfried Nehe (Deutscher Tourismusverband), Ute Krommes (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten), Thomas Knust (Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau), Hans Heinrich Möller (Bund Deutscher Baumschulen) und Klaus Hoffmann (Bundesverband Zierpflanzen), erst abends in der Stadt eintrafen, fand der Auftakt der Visite im „Ortenberger Hof“ statt. Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring gab den Gästen einen kurzen Einblick in Wissenswerts über die Region im Allgemeinen und über Ortenberg im Besonderen, und dann stand in gärtnerischer Hinsicht bereits der erste Höhepunkt des Jury-Aufenthaltes auf dem Programm: Karl Hinterseer präsentierte den Gästen eine kleine Auswahl seiner Bonsais und erläuterte ihnen mit viel Charme, Enthusiasmus und Fachwissen seine Philosophie der Bonsai-Kunst auf Basis heimischer Baum- und Straucharten. Mit großem Interesse folgten die sieben Fachleute Hinterseers Ausführungen, und wie von selbst entwickelten sich im Anschluss kenntnisreiche Gespräche.

Der nächste Tag begann mit einer Dia-Präsentation von Karl-Hermann Heinz zu Pflegemaßnahmen auf der Bergheimer Heide und den dort vorzufindenden floristischen Kleinoden. Die Ortsvorsteherinnen Renate Klingelhöfer und Heike Vonhof umrissen kurz zwei Projekte aus Eckartsborn und Lißberg, die später bei der Rundfahrt zu ausgewählten Stationen im Gemeindegebiet noch Thema sein sollten. Neben Klingelhöfer und Vonhof begleiteten auch Stadtverordnetenvorsteherin Ute Arendt-Söhngen, die Stadträtinnen Christl Knöpp und Gerda Vollmar sowie Kreisgärtnermeister Horst Clausen und der Ortenberger Gärtnermeister Ulrich Töpfer die Juroren auf ihrer Fahrt durch die Gemeinde. Sie alle haben das Projekt „Entente Florale“, das auf städtischer Seite von Sabine Eberhardt organisiert und von Manuela Baumann und Carolin Seum flankierend begleitet wurde, über Wochen mit viel Engagement ehrenamtlich unterstützt. 

Die erste der besuchten Stationen war der im vergangenen Oktober eingeweihte Eckartsborner Dorfplatz im Oberdorf neben der Alten Schule, an dessen Gestaltung viele Jugendliche aus dem Dorf und auch zahlreiche Erwachsene einen beträchtlichen Anteil hatten. Gleich zwei Stationen der halbtägigen Tour durch die Gemeinde befanden sich in Lißberg. Zunächst stand der einzigartige Natur-Erlebnis-Spielplatz auf dem Programm, wo die sieben Fachjuroren nicht nur viel Interessantes zu sehen und zu hören, sondern auch zu probieren bekamen: Beate Schubert und Mechthilde Redling hatten leckere Häppchen mit Kräuter-Brotaufstrichen vorbereitet, die die auf dem Spielplatz anwesenden Kinder den Gästen freundlich anboten. Auch kleine Präsente in Form von selbst gefertigten Seifen und Lippenbalsam auf Basis von Naturprodukten hatten sie für die überraschten Juroren parat. Vom Spielplatz aus, der mit viel Eigenleistung der Lißberger entstanden ist und inzwischen von einem Förderverein getragen wird, ging die Fahrt weiter zum „Ort der Frische“, der Wassertretanlage am Vulkanradweg, wo Christa Fuchs und Otto Betz den Gästen alles Wesentliche über dieses ebenfalls durch ehrenamtliches Engagement entstandene Projekt erläuterten und die Präsenz von geballtem gärtnerischen Sachverstand auch dazu nutzten, um die eine oder andere Frage zu stellen. Beispielsweise waren die sich im Wassertretbecken immer wieder bildenden Algen ein Thema. Schöne Aussichten eröffnete schließlich die Weiterfahrt durch den Wald auf Höhe der Krömmelbach.

Nächster Anlaufpunkt für die Juroren waren die Marienkirche und der zugehörige Marien-Kräutergarten in Ortenberg. Zunächst gab der Kunsthistoriker Michael Schroeder den gespannten Besuchern einen Abriss über die Geschichte der Kirche und insbesondere über die bei der jüngsten Sanierung freigelegten floralen Deckengemälde, die sich als Abbildungen der bereits im Mittelalter bekannten Marienkräuter erwiesen, um deren Heilwirkung man seinerzeit schon wusste. Den Garten selbst stellten Friedgard Enders und Klaus Busch vor, die zu den Aktivposten gehörten, als der Garten vor wenigen Jahren angelegt wurde, und die ihn heute mit viel Fleiß hegen und pflegen.

Weiter ging es dann vorbei an der Bergheimer Heide, wo Schäfer Christian Krauthahn gerade seine Schafe weiden ließ und damit einen wertvollen Beitrag zur Pflege des dortigen Magerrasens leistete, nach Bleichenbach. Dort stand zunächst der wunderschöne private Garten der Familie Walter in der Rathausgasse auf dem Programm, anschließend die Begegnungsstätte auf dem Friedhof und der Backhausplatz, wo Heinz-Dieter Ressel und Rolf Röse jeweils die Projekte und ihre Vorgeschichte und insbesondere auch die von Bleichenbacher Bürgern ehrenamtlich geleisteten Arbeiten vorstellten. Mit großem Interesse ließen sich die sieben Fachjuroren von den beiden Engagementlotsen die bereits vollendeten Maßnahmen und die Planungen für die Zukunft erläutern.

Mit einem Imbiss auf der Höhe oberhalb von Effolderbach, von wo aus ein herrlicher Ausblick auf die selbstverständlich ebenfalls thematisierten Nidderauen von Effolderbach das Auge erfreut, klang der Besuch am frühen Nachmittag aus – schließlich mussten die Juroren an diesem Tag noch die nächste zu begutachtende Gemeinde Rheinfelden in Baden erreichen. Nun warten alle Beteiligten auf städtischer Seite gespannt auf die Bewertung, die nicht nur Positives herausstellen, sondern vor allem auch Hinweise geben soll auf noch nicht ausgeschöpfte Potenziale. Denn auch 2012 möchte Ortenberg gerne wieder dabei sein wenn es heißt „Unsere Stadt blüht auf“.

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