Im Dorf wird es warm

Es gibt viele Möglichkeiten, Energie zu erzeugen und zu nutzen. Wer sich besonders viel Mühe geben will, der trommelt ein komplettes Dorf zusammen und sagt: Wir machen das jetzt alles selbst. Wir gründen eine Genossenschaft, legen unser Geld zusammen und bauen selbst ein Holzkraftwerk. Dass eine 90-Jährige ohne Verwandtschaft, dass Dorfbewohner ohne riesige Rücklagen, dass Menschen in einem sogenannten strukturschwachen Gebiet ihr Geld in einen Topf werfen, weil sie an ihr Fleckchen Heimat glauben, weil ihnen die Begriffe „Landflucht“ und „Verstädterung“ ganz persönlich gleichgültig sind, das passiert so gut wie nie. Doch in einem kleinen hessischen Dorf hat es funktioniert.

Bergheim, 20 Kilometer vom Kurort Bad Salzhausen entfernt, liegt am Fuße des Mittelgebirges Vogelsberg, das im Südosten an den Spessart grenzt. Es gibt zwei Löschfahrzeuge der freiwilligen Feuerwehr, eine kleine evangelische Dorfkirche und einen Supermarkt, der ab 12 Uhr geschlossen hat und erst abends wieder für eine Stunde, zwischen 17 und 18 Uhr öffnet. Es gibt ein Wirtshaus, doch wer täglich 45 Minuten bis ins Ballungsgebiet Frankfurt pendelt – und das sind 85 Prozent der Bergheimer Erwerbstätigen –, findet kaum Muße, abends auf ein paar Bier einzukehren. Streuobstwiesen gibt es, Wald, sehr viel Wald, einen kleinen Bach und als Freizeiteinrichtungen einen Sport- und einen Kinderspielplatz.
In Bergheim hat sich eine Genossenschaft gegründet, die „Energiedorf Bergheim eG“. Sie verfolgt zwei Ziele: Unabhängigkeit von den Energieriesen. Und: Das Dorf darf auf keinen Fall sterben. Die Bürgerinitiative ist inzwischen eine über die Landesgrenzen hinaus bekannte Marke, und gleichzeitig der Beginn des wirtschaftlichen „Comebacks“ von Bergheim.