Wir können auch anders

Gelungene Architektur trifft Energieeffizienz: Das geht auch bei Nichtwohngebäuden. Wie Kommunen diesen Mix umsetzen können, hat die Kleinstadt Ortenberg vorgemacht. Bei der Sanierung des Bürgerhauses wurden Wärmedämmung, Heizungstechnik und Wohlfühlfaktor berücksichtigt – mit Unterstützung der dena

Eigentlich war Jan Phillip Schalk schon weg. Das Karatetraining nervte. Die Kurse im Bürgerhaus von Ortenberg fielen immer wieder aus. Der einzige Hallenraum wurde auch für Konzerte und politische Versammlungen genutzt. Überschnitten sich die Termine, dann hatte der Karatenachwuchs des örtlichen Turnvereins meist das Nachsehen. „Wenn wir dann doch Training hatten, dann müffelte die Halle, außerdem war der Boden abgenutzt“, erinnert sich der Schüler. Deshalb sei er im Herbst 2010 fast zu den Fußballern gewechselt.
Aber dann kamen Handwerker und Bauarbeiter, sie sanierten das Bürgerhaus. Und heute ist Jan Phillip Schalk 13 Jahre alt, Träger eines braunen Karategürtels und Vereinsmeister in seiner Altersklasse. Er übt gerade einen komplexen Halbkreisfußtritt und sagt: „Das hätte ich nicht gedacht, aber hier zu sein, macht wieder Spaß.“ Nicht nur der junge Karateka sieht das so. Durch die Sanierung ist der 1967 errichtete Gebäudekomplex endlich wieder zu einem richtigen Zentrum der 9.000-Seelen-Kommune geworden, berichtet Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Eine Modernisierung hatte die Immobilie mit einer Brutto- Grundfläche von 2.200 Quadratmetern dringend nötig. Anlage und Infrastruktur waren in die Jahre gekommen und zum Teil in desolatem Zustand. Das Dach leckte, in Fensterrahmen dienten Taschentücher als Dichtung, und die Lüftungsanlage hatte sich bereits in den 90er-Jahren verabschiedet. „Vereinsnutzungen, Altentreffen, private und öffentliche Veranstaltungen – das, was dieses Haus einst ausgemacht hatte, funktionierte inzwischen nur noch sehr eingeschränkt“, sagt Pfeiffer-Pantring, „zudem belastete der stetig steigende Energieverbrauch die Umwelt ebenso wie die Stadtkasse – und zwar stark.“