Ortenberg und seine Stadtteile

Bergheim


Kirche BergheimBergheim, nach Ansicht verschiedener Namensdeuter Haus oder Herberge am Berg bedeutend, wird zum ersten Mal 1305 urkundlich erwähnt. Doch viele Funde in der Gemarkung weisen darauf hin, dass Bergheim bereits in prähistorischer Zeit erstmals besiedelt war. Dass diese Besiedlung nicht bloß ein kurzes Intermezzo war, sondern zumindest etliche hundert Jahre angedauert haben muss, belegt die Tatsache, dass Überbleibsel aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Zeiten gefunden wurden.

Die älteste schriftliche Urkunde, die Bergheim explizit benennt, stammt aus dem Jahr 1305. Damals übergab Gerlach von Breuberg dem Grafen Gerlach von Jülich die Dörfer Berchheym, Steinbach und Usenborn und empfing sie wieder als Lehen. In verschiedenen Chroniken und heimatlichen Quellen wird die Ortschaft allerdings bereits in Verbindung mit Jahreszahlen wie 1274, 1220-1230 oder sogar 600 gebracht. In diese Zeit mag wohl auch die tatsächliche Gründung Bergheims fallen. Wichtiger Anhaltspunkt dafür ist die Endsilbe -heim im Ortsnamen, die typisch für Ortsgründungen während der fränkischen Landnahme war.

In der Zeit seiner ersten urkundlichen Erwähnung gehörte Bergheim zum Landgericht Ortenberg. 1602 fiel Bergheim in den Besitz des hanauisch-münzenbergischen Adelsgeschlechts, von wo es 1642 an Hanau-Lichtenberg vererbt wurde. 1736 ging die Grafschaft Hanau-Münzenberg wiederum durch Erbschaft an das Haus Hessen über. Das mittelalterliche Bergheim blieb, auch nachdem es in hanauischen Besitz übergegangen war, in engster Verbindung mit Ortenberg. Hanau besaß in der Stadt selbst ebenfalls ein Drittel Besitz. Als 1771 in Ortenberg ein neues Wirtshaus (die spätere Gaststätte "Zur Post") errichtet wurde, spendete Bergheim zum Bau zwei Eichenstämme, woraus die enge Bindung des Ortes an Ortenberg deutlich wird.

Mit dem 30jährigen Krieg begann auch für Bergheim eine schlimme Zeit. Mord und Brandschatzungen, von einquartierten und durchziehenden Truppen begangen, waren ständig zu beklagen. Viele Bergheimer flohen mit Vieh und etwas Besitz in die umliegenden Wälder und fristeten dort ein beklagenswertes Dasein. Misshandlungen und Vergewaltigungen gehörten zum Alltag der Menschen, und das drei Jahrzehnte lang. Dabei war Bergheim, das bedingt durch seine bescheidene Größe nur geringe Einquartierungsmöglichkeiten bieten konnte, gegenüber den größeren Städten Ortenberg und Büdingen noch im Vorteil.

Zu allem Unheil kam die Pest hinzu, die besonders 1627/28 und 1635 die Menschen dahinraffte. Zu dieser Zeit mussten die Verstorbenen noch zum Ortenberger Friedhof gebracht werden. Mündliche Überlieferungen besagen, dass das manchmal aufgrund der vielen Toten nicht möglich war und man sie notgedrungen rund um die Häuser beerdigte. 1543 lebten etwa 70-80 Personen in Bergheim, 1626 etwa 40-50 und 1648 nur fünf Personen. Erst 1656 wuchs die Zahl wieder auf 40 Personen an.

Obwohl keine schriftlichen Aufzeichnungen darüber vorliegen, kann man annehmen, dass auch an Bergheim die Zeit der Hexenverfolgung nicht spurlos vorübergegangen ist. Allein 1662 wurden im Hanauischen Amt Ortenberg 11 Frauen wegen Hexerei zu Tode gefoltert.

Nachdem Bergheim 1736 durch Vererbung an Hessen-Kassel gefallen war, schlug es Napoleon 1807 mit dem gesamten Kurfürstentum dem Königreich Westfalen zu und vermachte es seinem Bruder. Bei der weiteren Regelung der Dinge ergab sich 1809 ein Staatsvertrag, den Hessen-Darmstadt mit Napoleon schloss, und durch den Hessen-Darmstadt unter anderem auch die hanau-münzenbergischen Teile des Amtes Ortenberg und damit auch Bergheim erhielt.

Ab 1845 begannen auch in Bergheim viele Bürger nach Amerika auszuwandern. Von wirtschaftlicher Not getrieben, machten sich insgesamt 27 Ortsbürger mit ihren Familien zur ungewissen Reise in die neue Welt auf. Von 1840 bis 1878 dürften es über 100 Personen gewesen sein, die Bergheim mit dem Ziel Amerika verließen.

Private Homepage von Bergheim: http://www.bergem.eu/