Ortenberg und seine Stadtteile

 

Bleichenbach


BleichenbachIm Gegensatz zur Situation in anderen Ortenberger Ortsteilen ist einiges über die Besiedlung des Bleichenbacher Raums in vorgeschichtlicher Zeit bekannt. Nach einem Bericht von Dr. Meyer, Gießen, wurden im Jahre 1910 westlich des Dorfes in der Lehmkaute vorgeschichtliche Wohngruben aus der jüngeren Steinzeit (5000 bis 2000 vor Christus) festgestellt. Im Walddistrikt Erzbach sind zwei Grabhügelfelder bekannt; das eine mit 30 Grabhügeln aus der jüngeren Steinzeit, das andere, mehr zerstreut liegende, mit 11 Hügeln. Beide Gruppen gehören zur schnurkeramischen Kultur. Von der Öffnung eines Sammelgrabes mit Resten verschiedener Kulturstufen in Bleichenbach berichtete Meyer, dass dieser Hügel ein schnurkeramisches Grab ohne Beigaben enthielt, weiter 4 bronzezeitliche Gräber mit Schalen, Gewandnadeln, Ringen und sonstigem Schmuck, ein hallstattliches Grab mit Schale und Holzbalkenstücken und zwei latenezeitlichen Gräber mit Balkenresten, Topf und Asche. Die Länge des Hügels betrug 34 Meter, die Höhe 2 Meter.

An zwei Hügeln der erstgenannten Gruppe hat der ehemalige Bleichenbacher Lehrer und Heimatforscher Rudolf Höhn im Jahre 1934 einige Forschungen angestellt und diese Hügel im Kreuzschnitt durchstochen. Im ersten wie im zweiten Hügel wurden bei dieser Aktion Scherben von einem Becher und einige Bruchstücke von Steinbeilen gefunden. Alle Fundstücke wurden Dr. Richter, dem Leiter der Grabungen auf dem Glauberg, übergeben.

Mit diesen Forschungsversuchen war das Augenmerk der Fachgelehrten auf die Bleichenbacher Hügelgräber gelenkt. Nun begann der Archäologe Dr. Dielmann im Auftrag Dr. Richters mit seinen Ausgrabungen im Bleichenbacher Wald. Er berichtete darüber in dem 1956 vom Büdinger Geschichtsverein herausgegebenen Werk "Kreis Büdingen - Wesen und Werden". Dort hob er hervor, dass bei den Ausgrabungsbefunden vieles darauf hindeutete, dass sich die Kultur der Menschen im Bleichenbacher Hügelfeld in einem weit fortgeschrittenen Stadium befunden hätte.

Besiedlungen in geschichtlicher Zeit im Raum Bleichenbach nehmen Fachleute in der Siedlungsperiode zwischen 400 und 800 nach Christus an. Als erste urkundliche Erwähnung des Ortes gilt das Jahr 1219. Karl Heusohn schrieb zu diesem Thema folgendes: "Das Dorf Bleichenbach wird zum erstenmal 1219 urkundlich erwähnt. Es hat um diese Zeit offenbar schon längst bestanden, und die Gemarkung Bleichenbach mag schon Jahrtausende vorher besiedelt und genützt worden sein. Denn wenn hier vor Jahrzehnten Wohngruben aus prähistorischer Zeit angeschnitten worden sind, und wenn man hier Steinwaffen und Werkzeuge in Mengen gefunden hat, dann müssen hier auch Menschen gelebt und gewohnt haben, die sie hergestellt und gebraucht haben. Und wie erklärt man sich das Vorhandensein der Dutzende und Aberdutzende von Hügelgräbern aus Stein- und Bronzezeit am nahen "Betten", wenn man die Besiedlung des Bleichetals in jenen Zeiten ausschalten will? Nein, die Bleichenbacher Mark war besiedelt.

Es wohnten hier schon Jahrtausende hindurch Menschen, in ihrer Wohnkultur, ihrer Lebensweise und ihren Sitten und Bräuchen dem Wechsel der Zeiten unterworfen. Ob diese Siedlungen schon Namen führten, ob sie jemals umbenannt worden sind, wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass die Benennung der Orte mit der Endung "Bach" in die Zeit von 400 bis 800 nach Christus zu setzen ist, und um diese Zeit mag auch Bleichenbach gegründet geworden sein."

Die Ersterwähnung Bleichenbachs ist einer Urkunde aus dem Jahre 1219 zu entnehmen. Diese Urkunde besagt, dass Papst Honorius III. am 13. August 1219 das Kloster Konradsdorf mit seinen Besitzungen in Schutz nimmt. In diesem Schutzbrief wird auch die Kapelle in Bleichenbach genannt. Bereits 1150 wird in einer Besitzübersicht ein dem Landadel angehörender Gumprecht von Bleichenbach genannt, der in Bleichenbach Grundbesitz hatte. Zahlreiche mittelalterliche Urkunden lassen erkennen, dass die Herren von Bleichenbach nicht nur reich begütert waren, sondern auch in hohem Ansehen gestanden haben müssen.

Das feste Haus der Ritter von Bleichenbach dürfte sich wohl im alten Dorfkern um das jetzige Pfarrhaus befunden haben. Alte Mauern und alte Kellergewölbe finden sich in diesem Dorfteil zahlreich. Wie aus einer Urkunde vom Jahre 1541 hervorgeht, war Bleichenbach ein umfriedetes Dorf. Die Umfriedung bestand wahrscheinlich aus Wall und Graben und einer dichten Hainbuchenhecke. Spuren von dieser Befestigung sind heute kaum mehr zu erkennen. In Urkundensammlungen sind vielfach die Träger des Adelsnamens Bleichenbach angeführt und als Edelknechte und Ritter bezeichnet. Als Wappen führten die Herren von Bleichenbach auf blauem Schild einen goldenen Schrägwellenbalken. Dieses Wappen bildet auch die Grundform des Bleichenbacher Ortswappens, das der Gemeinde 1963 verliehen wurde. Es zeigt jedoch zusätzlich im oberen Feld ein silbernes Eichenblatt und im unteren Feld eine silberne Ähre.

Bis zum Jahre 1476 soll der Ort zu der Herrschaft des Werner von Eppstein gehört haben, dessen Erben ihn dann an den Grafen Philipp zu Hanau verkauften. Ein anderer Bericht sagt allerdings, dass die Adelsfamilie derer von Bleichenbach den Ort an den Grafen Philipp von Hanau verkauft und verlassen hätten. Jedenfalls gehörte das Dorf zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu Hanau-Münzenberg und unterstand dem Gerich "vor Ortenberg", das bis 1605 gemeinsamer Besitz von Hanau, Stollberg und Ysenburg war.

1605 wurde Ortenberg aufgeteilt und Bleichenbach kam in den Besitz von Hanau-Münzenberg. Als am 28. März 1736 der Graf Johann Reinhard zu Hanau kinderlos starb und dessen Erbe an den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel kam, wurde auch Bleichenbach kurhessisch. 1811 wurde es dem Großherzogtum Hessen einverleibt und gehörte zu dem damals noch bestehenden Kreis Nidda. Als der Kreis Nidda 1874 aufgelöst wurde, wurde Bleichenbach dem Kreis Büdingen zugeteilt.

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