Im Dorf wird es warm


Engagement hat in dem kleinen Dorf schon Tradition. Kurz vorm Ortseingang führt eine Trasse zum mächtigen Steinbruch, wo seit über hundert Jahren Basalt abgebaut wird. Bis 2008 rauschten noch bis zu 400 voll beladene Lkw täglich durch das kleine Dorf. 400.000 Tonnen Basalt jährlich. Die Menschen wollten nicht mehr im Krach und Dreck leben – deshalb gründeten sie eine Bürgerinitiative, sprachen mit dem Bergwerksbetreiber, absolvierten Aufklärungsarbeit. 2009 wurde eine mächtige Trasse am Ortseingang in den Berg gefräst, damit kein Lkw mehr die engen Dorfstraßen befahren musste. Nun konnten endlich neue Wasserleitungen und Abwasserkanäle in der Dorfstraße geplant werden, über ein Leerrohrnetz für ein späteres Glasfasernetz nachgedacht und den Leuten vor Ort mitgeteilt werden: Wir reißen hier alles auf. In diesem Moment tritt Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD) auf den Plan, Bürgermeisterin der Stadt Ortenberg, die zusammen mit ein paar Bürgern Bergheims eine Idee hatte: Wenn ohnehin die gesamte Straßendecke aufgerissen wird, dann können wir zu den vielen Rohren noch fünf Kilometer mehr legen und am Dorfeingang etwas bauen, was uns vom Ölpreis unabhängig macht: ein Holzhackschnitzelheizwerk, das die Ressourcen aus den umliegenden Wäldern nutzt. Die Herausforderung: Viele Haushalte müssen mitmachen. Das gemeinsame Engagement für die Trasse gegen den Lärm hat gezeigt, dass die Menschen vor Ort am selben Strang ziehen können.
Über eine Heißwasserleitung wird ab Herbst 2011 für alle angemeldeten Haushalte Wärme aus dem Holzhackschnitzelheizwerk ins Haus geliefert. Diese Wärme wird dann per Wärmetauscher in den jeweiligen Heizungs- und Warmwasserkreislauf übertragen. Ein Wärmezähler erfasst die vom Haushalt verbrauchte Wärmeenergie. Dabei ist wichtig, dass die Heizkosten jedes Nahwärmekunden langfristig günstiger sein werden als bei Öl-, Gas- oder Nachtspeicherheizung. Für Windräder sind die hessischen Täler zu schmal. „In der Konzeption für das Kraftwerk wurde auf die Zukunftsfähigkeit und Flexibilität geachtet. So können wir beispielsweise das Schrägdach der Heizanlage optimal zur Erzeugung von Strom durch Fotovoltaik nutzen“, sagt Hartmut Langlitz, inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft. „Unser Gebäude wurde bereits nach Süden ausgerichtet. Wenn sich in ein paar Jahren ein günstigeres Energiekonzept anbieten sollte, sind wir erneut dabei.“