Im Dorf wird es warm


So klingen Menschen, die von ihrer Idee restlos überzeugt sind. Allerdings ohne Profipolitiker, Energielobbyisten oder Klimaschützer – „hier wird ja nicht einmal grün gewählt“, sagt ein Genosse. Und lacht. Einen „Atomkraft? Nein danke“-Sticker sieht man hier an keiner Jacke. Es geht um etwas anderes. Unser Dorf soll sich entwickeln! Diese Leute brachten sich selbst das Notwendige bei, suchten Anregungen und Fakten im Internet, informierten sich beim Genossenschaftsverband, besuchten andere Energiedörfer in Marburg und im Odenwald. Wogen ab, ob eine Stiftung, eine GbR, eine AG oder eine GmbH die richtige Form für das ambitionierte Vorhaben abgeben könnte. Jeden Montagabend um 20 Uhr traf man sich bei Apfelsaftschorle und Mineralwasser im Dorfgemeinschaftshaus und plante die neuen Schritte. Bankkaufleute debattierten mit Handwerkern, der eine brachte sein Organisationstalent ein, der andere sein Baufachwissen.
Eine erste Studie des Landes Hessen war zu dem Schluss gekommen, dass die Leute im Dorf ihre Träume besser begraben sollten. Auch die EU winkte ab und wollte kein Geld zuschießen. Bergheim war abgeschrieben, galt als unrettbar schrumpfendes Dorf. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine neue Machbarkeitsstudie sollte zeigen, dass ein Holzhackschnitzelheizwerk gute Chancen haben würde, dass die Bergheimer mitziehen würden und dass ausreichend Kunden gewonnen werden könnten, um dieses drei Millionen Euro teure Projekt durchzusetzen. „Wir haben also eine Mitgliederversammlung einberufen“, erinnert sich Hannelore Wohlfahrt vom Aufsichtsrat der Genossenschaft, „und haben die Leute gefragt, ob sie bereit wären, 150 Euro zu zahlen, für ein Gutachten. Wir konnten niemandem versprechen, dass dieses Geld gut angelegt sei, dass wir tatsächlich bauen können.“ Doch dann geschah das Unglaubliche. 92 Parteien garantierten je 150 Euro, damit Diplom-Ingenieur Herbert Weber eine detaillierte Studie erarbeiten konnte. „92 Parteien – weil sie alle an Bergheim Links: Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer- Pantring, die den Bergheimern die Idee nahebrachteglaubten, weil sie uns Vertrauen schenken wollten.“ Sie wurden motiviert, beteiligten sich ehrenamtlich. „Betroffene werden zu Beteiligten“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, „durchs Ehrenamt entsteht eine neue Wertschöpfung.“