Wir können auch anders


Von Frühjahr 2011 bis Herbst 2012 ließ die Stadt im oberhessischen Wetteraukreis ihr Bürgerhaus erneuern. Nun ist vieles anders. Oder mit den Worten Pfeiffer-Pantrings: „Schöner, größer, besser!“ Der Komplex wurde architektonisch aufgefrischt und sogar um einen Anbau erweitert – eine neue Turnhalle. Sie garantiert regelmäßige Karate- und Gymnastikkurse, bietet darüber hinaus Platz für den Schulsport.
Dabei wurde das Bürgerhaus energetisch wegweisend umgerüstet: Gemäß der Energiesparverordnung 2009 gilt es als KfW-Effizienzhaus 85, benötigt also 15 Prozent weniger Primärenergie im Jahr als ein vergleichbarer Neubau. „Erreicht haben wir dies, indem wir Gebäudehülle und Haustechnik komplett überholten“, sagt Pia Heidenreich-Herrmann vom Bauamt Ortenberg. Die Energieberaterin und Architektin hat das insgesamt 6,94 Millionen Euro teure Projekt aufseiten der Kommune betreut. Sie stellt fest: „Finanzierung, Planung und Umsetzung funktionierten bestens dank der Kooperation mit der dena.“
Ein Rückblick: Auf Heidenreich- Herrmanns Initiative hin bewarb sich die strukturschwache Stadt im Jahr 2009 beim dena-Modellvorhaben „Niedrigenergiehaus im Bestand für Schulen und Nichtwohngebäude“. Die Agentur arbeitet dabei eng mit einem bundesweiten Expertennetzwerk zusammen und wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unterstützt. „Das Ziel ist, die Potenziale von energetischen Optimierungen im Gebäudebestand aufzuzeigen“, erklärt Christian Stolte, Leiter des dena-Bereichs Energieeffiziente Gebäude. „Ob Tilgungszuschüsse oder zinsgünstige Kredite, die Modellprojekte profitieren von einer besonderen finanziellen Förderung durch die KfW Bankengruppe, die über die reguläre Höhe hinausgeht.“ Das Programm wurde 2003 für Wohngebäude aufgelegt und in mehreren Phasen weiterentwickelt. Seit 2007 werden auch Nichtwohngebäude berücksichtigt.
Die Ortenberger gehörten mit ihrem Bürgerhaus zu den ersten Interessenten. Eine Jury aus unabhängigen Gutachtern und dena-Fachkräften gab schließlich grünes Licht. „Von da an ging’s los“, sagt Stolte, „wir arbeiteten mit der Stadt den Ist-Zustand auf, berieten in puncto Finanzierung und begleiteten sie mit unserem Know-how bei der Umsetzung.“
Das Resultat: Energetisch punktet das Haus heute durch ausgezeichnete Werte. Der berechnete Primärenergiebedarf ging von 569,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m2) im Jahr auf nunmehr 63,4 kWh/m2 zurück. Das ist eine Einsparung von mehr als 85 Prozent gegenüber dem Wert vor der Sanierung. Erreicht wurde das vor allem durch ein neues Heizungskonzept. Der Hauptanteil der Wärme entsteht nicht mehr durch Heizöl, sondern eine CO2-emissionsarme Holzhackschnitzelanlage, sagt Architekt Tobias Poschmann, dessen Büro die Sanierungsmaßnahmen überwacht hat. „Die Besonderheit in Ortenberg ist, dass die Stadt Waldareale besitzt und so ihren Bedarf an Heizungsholz preiswert und mit kurzen Transportwegen abdecken kann.“

Bestnoten auch beim Transmissionswärmeverlust (Ht-Wert): Aus 1,385 Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m2K) sind 0,298 W/m2K geworden. Das bedeutet eine Reduzierung von knapp 80 Prozent. Dafür sorgt eine umfangreiche Gebäudedämmung. So wurden zum Beispiel die Holzfenster durch eine hochdämmende Wärmeschutzglasfassade ausgetauscht. Und die Außenwände aus massivem Kalksand-stein haben nun ein 16 Zentimeter dickes Dämmsystem aus Polystrol. Bleibt noch das Dach: Dort ergänzt jetzt eine 30 Zentimeter dicke Mineralwollschicht die bislang ungenügende Dämmung.
Der Erfolg der Maßnahmen wird kontinuierlich überprüft. Für den energetischen Check am Dach etwa gibt es eine neue, äußerst präzise Methode: Thermografieaufnahmen mit einer Drohne. In Ortenberg kommt ein Fluggerät mit acht Propellern zum Einsatz. Vom Boden aus steuert Pilot Herfried Quanz den Oktokopter. Die Aktion dauert 45 Minuten. „Eine Spezialkamera erfasst die Wärmestrahlung an der Dachoberfläche“, sagt Quanz. Er erstellt ein Video mit rund 25 Bildern in der Sekunde.
Auch Junior-Karateka Jan Phillip Schalk will sich weiter verbessern: mit 18 den schwarzen Gürtel machen, mit 20 Sport studieren, dann eine Dojo-Karateschule eröffnen. Im Moment versucht er aber noch, seinen Halbkreisfußtritt sauber hinzubekommen.

Artikel aus dem Dena Magazin 05/2014

Publiziert am: Donnerstag, 14. August 2014 (2861 mal gelesen)
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