Das Wasserkraftwerk der OVAG in Lißberg


Randolf Hess ist Mitarbeiter der ovag Netz AG und als einziger ständig vor Ort. Er fährt täglich zu den Stauseen in Hillersbach, Hirzenhain und Lißberg, um die Staumauern vor Ort zu kontrollieren. Die Maschinensätze müssen einsatzbereit sein – schon deshalb muss er sie täglich kontrollieren, warten und reinigen. Zum Tagesgeschäft gehört auch, die Wasserstände und Wassermengen der Teiche zu prüfen und festzuhalten. Diese Daten gibt Hess an das Regierungspräsidium Darmstadt weiter. „Mein ‚Sommerhobby‘ ist die Bewältigung der umliegenden Grünflächen – ich pflege die Bäume, mähe Rasen und schneide Hecken“, erzählt er aus seinem Arbeitsalltag. Im Herbst muss er mit einem Rechen das Laub vor den Abläufen aus dem Wasser fischen.
Randolf Hess sagt, dass es bei seiner Arbeit keine typischen Abläufe gibt: „Ich weiß nie, was mich morgens erwartet. Bei Kontrollfahrten zum Staudamm ist es schon mehrfach vorgekommen, dass der Weg dorthin durch einen umgefallenen Baum versperrt war. In solchen Fällen hilft die Motorsäge …“ Auch bei schlechtem Wetter und Regen heißt es natürlich ranklotzen. „Um solche Tage ohne Schnupfen oder Erkältung zu überstehen, empfehle ich eine tägliche Außendusche, die härtet ab“, lacht Hess.
Für ihn das Wichtigste am Beruf sind ein Händchen für Technik, keine Angst vor Höhen und Tiefen und Selbstständigkeit: „Hier ist nur ein einziger Mensch, der bei bestimmten Situationen Entscheidungen treffen muss. Deshalb sind oberste Gebote Aufmerksamkeit, Konzentration und Vorsicht.“ Einsam ist er nie: „Ich bin überzeugt, Natur kann nicht einsam sein. Außerdem bekomme ich manchmal Besuch von Anwohnern oder von Kollegen, die Reparaturen mit mir erledigen. Auch Besuchergruppen kommen zu Führungen, etwa Schulklassen und Vereine bis hin zu Gruppen von Politikern. Gerade im Sommer halten spontan Radfahrer am Kraftwerk.“
Damit das natürliche Leben an den Stauseen und Flüssen nicht gestört wird, gibt es festgelegte Mindestwasserstände. Zwischen der Nidder und dem Ausgleichsteich am Wasserwerk liegt das Trommenwiesenwehr, das den Zufluss der Nidder in den Teich regelt. Neben dem Maschinenhaus gibt es außerdem eine Fischtreppe, über die die Fische die Nidder aufwärts wandern und dabei das Wehr umgehen können. Zudem wurde eine künstliche Insel im Hillersbachsee angelegt, die zahlreichen Vogelarten einen Lebensraum bietet, die auf Feuchtgebiete und Flachwasserzonen mit höheren Wassertemperaturen angewiesen sind.
2001 lief die Bewilligung für die Nutzung der Wasserkraft aus und die OVAG stand vor der Entscheidung, ob sie dann das Wasserkraftwerk stilllegt oder die Bauarbeiter kommen lässt, denn nach rund 80 Betriebsjahren mussten die Staumauern saniert werden. Sie entschied sich für die Sanierung, nachdem in den Achtziger Jahren das Rohrsystem schon von Grund auf überholt und erneuert wurde. Mindestens bis 2031 darf im Wasserkraftwerk nun Strom produziert werden, so lange läuft die derzeitige Bewilligung des Regierungspräsidiums Darmstadt.

Publiziert am: Donnerstag, 14. August 2014 (3271 mal gelesen)
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