Ortenberg und seine Stadtteile

 

 

Gelnhaar


Kirche GelnhaarErstmalig erwähnt wurde Gelnhaar in einer überlieferten Urkunde aus dem Jahre 1187, die Graf Berthold 11. von Nidda zugunsten der Johanniterkommende ausgestellt hatte. Eine Besiedlung lässt sich aber schon 500 Jahre vorher nachweisen. Schon im 13. Jahrhundert wurde Gelnhaar zweigeteilt und die Bleiche wurde zur Grenze zwischen dem Gericht Ortenberg auf der linken Bachseite (Hanauische Seite) und dem Gericht Floßbach-Wenings auf der rechten Bachseite (Ysenburgische Seite). Der gesamte Grund und Boden in beiden Dorfteilen war herrschaftliches Eigentum, die Bevölkerung lebte in Leibeigenschaft. Bedenkt man, dass die Bewohner der Ysenburger Seite in der Burg Wenings und die Bewohner der Hanauer Seite in der Burg Ortenberg ihre Fron - und Gespanndienste zu verrichten hatten, dass sie obendrein auch die der Herrschaft gehörenden Eigengüter in der Feldmark zu bestellen hatten, nimmt man die Abgaben in Form von Zehnt, Herdstätten, Rauchhühnern und Fräuleinsteuer hinzu, bedenkt man, dass die Herrschaft das Schankmonopol besaß und dazu noch besondere Weide- und Pferchrechte ausübte und für sich vom Bauern noch eine Anzahl Weidhämmel beanspruchte, dann lässt sich erkennen, dass die Untertanen keine Reichtümer ansammeln konnten, zumal die Solmser Landordnung seit dem 16. Jahrhundert beim Erbfall eines Bauern das Land unter den Erbberechtigten aufteilte. Die Bauernhöfe wurden also immer kleiner.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts litten die Gelnhaarer unter der Hessisch-Mainzischen Fehde, 1453 unter der Ysenburgisch-Lißbergischen Fehde, bei der die Bewohner von Gelnhaar das ganze Jahr über in Wenings helfen mussten, die Mauern auszubessern, neue Verteidigungseinrichtungen zu schaffen und außerdem Mannschaften zu stellen hatten. Bald danach, 1462 während der Mainzischen Stiftsfehde und 1464 in der Fuldischen Fehde, wurde das Dorf geplündert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wohnte niemand mehr im Dorf. Alle Häuser waren geplündert, die Menschen gestorben (viele an der Pest) oder geflohen. Es dauerte Jahre, bis die schlimmsten Folgen überwunden waren. Im 18. Jahrhundert litten die Menschen während des Siebenjährigen Krieges erneut unter Truppen-Durchmärschen, Einquartierungen und vor allem unter den ständigen Lieferungen, die sie an die Truppen zu leisten hatten. Bald danach kamen in den neunziger Jahren französische Revolutionstruppen, und wenig später begannen die napoleonischen Kriege, in deren Verlauf ysenburgische Soldaten in Nordspanien kämpfen mussten. Und Gelnhaar war nach wie vor geteilt. Jede Dorfseite hatte ihre eigene Gemarkung, ihre eigene Verwaltung, ihren eigenen Kirchgang, ihre Friedhöfe. Der erste Zusammenschluss fand auf dem Gebiet der Schule statt. Anfangs - 1710 - provisorisch, 1845 dann definitiv. Die Regen- und Dürrejahre des 19. Jahrhunderts vertrieben viele Bewohner aus Not. Sie wanderten aus an die Wolga, nach Ungarn, nach Brasilien und schließlich nach 1830 nach Nordamerika. Viele gingen auch in die aufstrebenden Industriemetropolen im Ruhrgebiet und in den Rhein-Main-Raum. 1832 teilte man das Betten und Gesamtgelnhaar erhielt mit 83 Ortsbürgern einen Anteil von 53 Morgen Wald und Hutung. Nachdem auch Ysenburgisch-Gelnhaar 1816 hessisch geworden war, erhielten beide Ortsteile 1836 eine gemeinschaftliche Bürgermeisterei. 1845 wurde das Dorf auch kirchlich geeint. 1868 wurden die beiden Gemarkungen zusammen gelegt und Gesamt-Gelnhaar dem Amtsgericht Ortenberg zugeteilt. Mit der Auflösung des Landratsbezirks Nidda 1874 kam auch der ehemals hanauische Teil des Dorfes an den Landratsbezirk Büdingen. Erst mit diesem Akt war die Zusammenlegung oder besser gesagt die "Wiedervereinigung" abgeschlossen. Nicht ganz 100 Jahre konnte sich Gelnhaar seiner Selbstständigkeit erfreuen, denn die Gebietsreform von 1972 gliederte das Dorf dort wieder ein, wo es schon einmal 700 Jahre zuvor verwaltungsmäßig gewesen war: nach Ortenberg.

Private Homepage von Gelnhaar:
http://www.gelnhaar.de/