Ortenberg und seine Stadtteile

 

 

Ortenberg

 

 

 

Altstadt OrtenbergOrtenberg – der ursprüngliche Name der Stadt bedeutete etwa soviel wie "Am Berg des Ortho" - wurde erstmals 1166 genannt, als in der Zeugenreihe einer Urkunde unmittelbar neben Hartmann I. von Büdingen ein Werner von Ortenberg erschien. Die Burg Ortenberg wurde vermutlich ebenso wie die von Staden von einem Bruder Gerlachs I. von Büdingen, Ortwin, erbaut und gehörte um 1200 zu dem Besitz derer von Büdingen, die sich eng an das staufische Herrscherhaus hielten. Irgendwann im 10. Jahrhundert hatten sich vermutlich die Vorfahren der Büdinger Herren bereits die Centherrschaften von Staden, Ortenberg und Büdingen angeeignet.

Nach dem Tod König Philipps wandte sich Gerlach II. von Büdingen Otto IV. zu, später war er ein Anhänger Friedrichs II. von Hohenstaufen. In der Wetterau hatte er als Landvogt des Reiches eine imponierende Stellung. Um die eigene Landesherrschaft auszubauen, ließ Gerlach II. um die Vororte seiner Burgen in Büdingen, Ortenberg und Orb Befestigungsanlagen errichten. Dies war der erste Schritt zur "Stadtwerdung" dieser Ortschaften.

Fest steht, dass im Jahre 1266 das Siegel der Ortenberger Bürgerschaft einer Urkunde zur Bekräftigung angehängt wurde. Daraus geht hervor, dass Ortenberg bereits in diesem Jahr das Recht hatte, sich Stadt zu nennen. Eines der wesentlichen Merkmale mittelalterlichen Stadtrechtes war das Vorhandensein einer Bürgschaft und die Benützung eines Siegels. Nach dem Tod Gerlachs II. waren mehrere Ganerben an dem Ort erbberechtigt; die Entwicklung des Ortes litt darunter. Allerdings hatte die Ganerbschaft in Ortenberg längst nicht solche Konsequenzen wie beispielsweise in Staden, wo sie mehrere Jahrhunderte überdauerte.

Die Frühzeit der Stadt Ortenberg ist weitgehend in Dunkel getaucht, da die Stadt- und Marktprivilegien bei einem Rathausbrand um 1560 vernichtet wurden. Der inzwischen verstorbene Heimatforscher Karl Heuson hat dennoch eine ganze Reihe wichtiger Einzelheiten erforscht. So darf heute davon ausgegangen werden, dass das Ortenberger Marktrecht weit in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Belegt ist das Marktrecht allerdings erst für das Jahr 1331. Zwischen 1350 und 1360 wurde das Recht, einen Wochenmarkt abhalten zu dürfen, nach Schotten übertragen. 200 Jahre später reichten die Ortenberger eine erfolgreiche Petition gegen den Verlust dieses kaiserlichen Privilegs ein. Im Dreißigjährigen Krieg ging dieser "Septembermarkt" ganz ein, und sogar der "Kalte Markt" konnte mehrere Jahre lang nicht abgehalten werden.

Wer auf den Ortenberger Kalten Markt wollte, hatte zuvor seinen Zoll zu entrichten, der von drei Bürgern an Schlägen erhoben wurde und in die Stadtkasse floss. Die Bürger der Stadt waren von diesem Zoll befreit, sie zahlten dafür drei Heller Marktrecht jährlich. Dieses Recht wurde später auch den Bewohnern von Bergheim und Usenborn gewährt, doch wurde aus beiden Dörfern ab 1635 nicht mehr gezahlt. Im 18. Jahrhundet maßen sich dann auch benachbarte hanauische Dorfschaften des Landgerichts Ortenberg das Recht an, den Kalten Markt mit Vieh und Waren zu besuchen, ohne Zoll zu bezahlen. Erst nach langem Hin und Her konnte es die Ortenberger Herrschaft, das Geschlecht derer von Stolberg (das von dem Zoll auch seinen Gutteil kassierte), gegenüber der hanauer Regierung durchsetzen, dass es bei der alten Regelung blieb.

Für die Markttage galten in Ortenberg nur die "heimischen" Maße. Die zwei Werkschuhe lange eiserne Ortenberger Elle war am Rathaus angebracht und wurde durch die Stadtdiener an die Kaufleute ausgegeben. Für Wein, Bier, Öl, Honig, Butter und dergleichen galt die "nasse Maß", bei Getreide, Äpfeln, Zwiebeln und ähnlichem nahm man die "trockene Maß". Die Stadt Ortenberg, das zeigte sich bei der Entschiedenheit, mit der die Bevölkerung an ihren Marktrechten festhielt, hatte nur eine kleine Gemarkung und eine vergleichsweise geringe Einwohnerzahl. Außer dem ausgedehnten Weinbau wurde kaum Ackerbau betrieben. Die Bürger waren daher zu allen Zeiten auf Gewerbebetriebe, auf Handel und Verkehr angewiesen. Die Stadt war infolgedessen stets bestrebt, ihre Märkte auszudehnen und das einheimische Handwerk zu heben.

Der Rebenanbau muss schon sehr frühzeitig eingesetzt haben, wenn er auch für die Ortenberger Gegend erst im 14. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen wurde. In manchen günstigen Jahren gedieh an den Südhängen des Vogelsbergs bis zur 200-Meter-Grenze ein recht trinkbarer Tropfen. In Ortenberg bestanden die Wingerte noch bis vor etwa 100 Jahren; der von dort stammende Wein hatte durchaus seine Liebhaber.