Die diesjährige Sommerreise des Ortenberger Kulturkreises führte auf die Kanalinseln Guernsey und Jersey. Erste Station auf dem Weg dorthin war Rouen, die historische Hauptstadt der Normandie.
Auf dem Alten Markt ließ Johanna von Orléans im Jahre 1491 ihr Leben auf dem Scheiterhaufen. An dieses Ereignis erinnert an der Stelle ihres Todes eine im Jahre 1979 errichtete Kirche, die durch Fenster aus dem 16. Jahrhundert ihre besondere Note erhält. Beeindruckend die gotische Kathedrale „Notre Dame“, Krönungsort und Grablege der normannischen Herzöge. Auf dem Weg zur Hafenstadt St. Malo liegt an der Mündung der Seine das Städtchen Honfleur. Einmalig in seiner Form ist im alten Seemannsviertel der Stadt die Kirche Saint-Catherine. Sie gilt als älteste Holzkirche Frankreichs und wurde im 15./16. Jahrhundert errichtet. Im Übernachtungsort St. Malo beeindruckte das unvergessliche Schauspiel der Gezeiten, denn hier in der Bucht von St. Malo kann man die größten Gezeitenunterschiede – 12 bis 13 Meter – in Europa beobachten.
Früh am Morgen brachte eine Fähre die Reiseteilnehmer bei herrlichem Wetter und ruhiger See vom französischen Festland nach St. Helier, der Hauptstadt der Insel Jersey, der größten und bevölkerungsreichsten der Kanalinseln. Jersey liegt etwa 160 Kilometer von Großbritannien entfernt und nur 20 Kilometer vor der Westküste Frankreichs. Vielen war nicht bekannt, dass Jersey und die anderen Kanalinseln kein Teil des Vereinigten Königreiches sind, sondern als Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstehen. So hat die Insel auch ihre eigene Währung, das Jersey-Pfund. Eine ausführliche Inselrundfahrt mit einer ausgezeichneten Führerin zeigte der Gruppe die an das Mittelmeer erinnernden Naturschönheiten der Insel - Jersey verzeichnet die meisten Sonnenstunden der Britischen Inseln - und die verträumten und gepflegten Dörfchen und Städtchen der kleinen Inseln.
Nach dem Aufenthalt in der quirligen Hauptstadt St. Helier brachte eine weitere Fähre die Reisenden zur Nachbarinsel Guernsey. Hier wurde in landschaftlich einmaliger Lage – hoch über der Steilküste – übernachtet. Wieder mit einem Insel-Bus wurde auch diese schöne Insel mit ihren Sehenswürdigkeiten erkundet. Zu Guernseys größter Gemeinde gehören die attraktive Cobo Bay mit langen Sandstränden und das Küstendorf Cobo. Überall auf der Insel erinnern Bunkeranlagen an die deutsche Besatzung von 1940 bis 1945. An strategisch wichtigen Punkten wurden Bunker errichtet, die Teil der Verteidigungslinie „Stützpunkt Rotenstein“ waren und zum Teil bis heute erhalten sind. Glücklicherweise dienen sie heute friedlichen Zwecken und werden als Museen oder Aussichtspunkte genutzt. Deprimierend der Verfall der unzähligen Gewächshäuser der berühmten „Guernsey-Toms“. Über Jahrzehnte waren die Tomaten ein bedeutender Exportartikel der Insel. Mit Englands Beitritt zur EU verlor Guernsey aber dann seine Monopolstellung im Tomatenhandel.
Wieder auf dem Festland wurde wieder in St. Malo übernachtet. Saint Malo, „die Stadt der Korsaren“, ist eine außergewöhnliche und mit ihrer Altstadt faszinierende Stadt. Nach der fast vollkommenen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind die legendäre Silhouette der Festungsanlage, die komplett erhaltene Stadtmauer und die engen Gassen mit ihren historischen Gebäuden zu neuem Leben erwacht. Noch einmal konnte am Abend das eindrucksvolle Schauspiel der Gezeiten und die Gewalt des einströmenden Wassers von der Uferpromenade aus beobachtet werden, denn am nächsten Tag begann die Rückreise.
Zwei Highlights aber warteten noch auf die Reiseteilnehmer: Le Mans – Kandidatin für das UNESCO-Weltkulturerbe - und Chartres. Gut erhalten die aus dem 3. Jahrhundert stammende römische Stadtmauer, die die auf einem Hügel über der Sarthe liegende Altstadt von Le Mans umschließt. Mittelalterliche Häuser säumen den Weg zur Kathedrale St. Julien. Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Das eindrucksvolle Innere enthält im Chor prächtige Fenster. Dort befindet sich auch das Grabmal der Königin Bérengère, der Gemahlin von Richard Löwenherz. Dieses historische Kleinod Le Mans, auf halber Strecke zwischen Paris und Nantes gelegen, war einer der vielen Höhepunkte der Reise. Dazu gehört aber auch das imposante und aufgrund des flachen Umlandes mit seinen goldgelben Weizenfeldern aus vielen Kilometern Entfernung sichtbare Wahrzeichen der Stadt Chartres: die Kathedrale „Notre-Dame de Chartres, seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Diese Kirche war Vorbild für viele andere gotische Kathedralen in Europa und sie gilt als die Kathedrale schlechthin. Eine Reise etwas abseits der üblichen Touristenströme mit guten Hotels und sehr guten Reiseführern hat bei den Reiseteilnehmern unvergessliche Eindrücke hinterlassen.